#GrüneDebatte17

Grüne Politik bleibt nötig

Mein politischer Aktivismus hat bereits in der sechsten Klasse begonnen. Damals gründete ich zusammen mit einigen Schulkolleginnen und -kollegen einen Naturschutzverein namens Nature-Peace. Wir befreiten Wälder und Bäche von Müll und dokumentierten unsere Aktionen mit einer monatlich erscheinenden Zeitschrift. Wobei ich sagen muss, dass ich sicher auch ein bisschen durch meine Eltern geprägt wurde. Beide sassen damals für die SP, beziehungsweise für die Grünen, im Nationalrat. Politik war also bei uns ab und zu Thema am Küchentisch. Das ist mehr als zwanzig Jahre her, mittlerweile habe ich selbst Kinder, bin Biobauer und für die Grünen im Kantonsparlament.

Wir Grünen sollten den eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolgen, Gegenwind sind wir uns gewöhnt.

Die Grünen haben seit ihrer Gründung einiges erreicht, trotzdem bin ich der Meinung, dass wir in vielen Punkten noch am Anfang stehen und noch viel zu tun bleibt. Nur zugut sehe ich dies bei meiner Tätigkeit als Landwirt. Die Nahrungsmittelproduktion in der Schweiz, ja weltweit, ist noch lange nicht sozial und auch nicht ökologisch nachhaltig. Um die schwierige Situation vieler Bäuerinnen und Bauern oder der ErntehelferInnen zu verbessern, oder die Ressourcenverschwendung bei der Produktion zu eliminieren, gibt es noch sehr viel zu tun. Auch der masslose Einsatz von Pestiziden, der schon lange nicht mehr nötig wäre, wenn zum Beispiel mehr in die Forschung und Entwicklung von robusten Pflanzen oder in die biologische Landwirtschaft investiert worden wäre, ist ein Ärgernis.

Unser eigener Betrieb wird selbstverständlich biologisch und möglichst als geschlossener Kreislauf betrieben. Siehe da, es funktioniert seit Jahren bestens. Die Landwirtschaft ist nur ein Beispiel von vielen, zeigt aber exemplarisch, dass grüne Politik nötig bleibt.

Gerade jetzt ist der Kampf für eine offene, solidarische und vielfältige Welt wichtiger denn je.

Darum bin ich der Meinung, wir Grünen sollten den eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolgen, Gegenwind sind wir uns gewöhnt. Ob von der neoliberalen oder der rechtsnationalen Seite. Auch wenn Nationalismus und Abschottungsversprechen in der Politik gerade „in Mode“ sind, die Globalisierung wird weiter voranschreiten. Die Frage ist, mit welchen sozialen und ökologischen Leitplanken dies geschehen wird. Gerade jetzt ist der Kampf für eine offene, solidarische und vielfältige Welt wichtiger denn je.

Auch sonst gibt es noch viel Arbeit, ob für die Gleichstellung von Frau und Mann, oder für Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch bei der Chancengleichheit sind wir noch nicht am Ziel. Zudem kommen mit der Digitalisierung und dem damit einhergehenden Verlust von Arbeitsplätzen neue Herausforderungen auf uns zu.

Die Grünen sind eine etablierte Partei, die Mut hat und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Den Ausstieg aus der Atomenergie oder ein Verbot von Ölheizungen zu fordern, gilt heute nicht mehr als extrem. Sie passen zu einer etablierten Partei, die Mut hat und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Für mich ist darum klar, ich werde mich weiterhin für die Werte der Grünen einsetzen – in welcher Form auch immer.

Kilian Baumann
Kilian Baumann wurde 1980 geboren, ist Biobauer und lebt mit seiner Familie und den glücklichsten Kühen der Welt auf einem kleinen, charmanten Hof in Suberg. Seit 2014 ist er Mitglied des Grossen Rates des Kantons Bern für den Wahlkreis Biel-Seeland. Dort setzt er sich unter anderem für längeren Vaterschaftsurlaub, eine Verlängerung des Gentechmoratoriums, mehr Transparenz bei den landwirtschaftlichen Direktzahlungen und Tier- sowie Naturschutz ein.

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